Es ist etwa 12.00. Ich stehe im Supermarkt an der Kassa. Die gefrorenen Himbeeren liegen in Plastik verpackt auf dem Förderband. Sie teilen sich den Platz mit Softdrinks in knacksenden Plastikflaschen, schillernden Energy Drinks in der Aluminiumdose, in Folie verpackten Wurstsemmeln und anderem, das zur Mittagszeit die Kassierer jeden Tag über den Strichcode ziehen. „Noch 35 Minuten Pause“, denken die Leute vor und hinter mir wahrscheinlich, ich denke an den vielen Müll, der bald in der Mülltonne landen oder gar achtlos auf die Straße geworfen wird. Auch mit meinen Himbeeren ertappe ich mich selbst als Täterin.

Plastic kills

Vor kurzem teilte eine Freundin ein Video auf Facebook. Ich habe ja schon etliche Videos gesehen, die deutlich machen: Müll verschmutzt unsere Meere erheblich – mit schrecklichen Konsequenzen für die Tiere und das gesamte Ökosystem. Doch bei diesem konnte ich kaum hinsehen. Es zeigt Forscher, die eine Meeresschildkröte von einem Plastikstrohhalm befreien, der sich in ihre Atemwege verirrt hat. Über den Umstand Bescheid zu wissen und ein kleines Puzzlestück dieser Entwicklung auf Video zu erleben, hat noch mal eine ganz andere Qualität. F u r c h t b a r!

Wenn wir den Blick erweitern, sieht das Bild folgendermaßen aus: Derzeit gelangen jährlich etwa acht Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Das entspricht etwa einem Müllwagen pro Minute, der in die Meere geschüttet wird. Im Jahr 2050 könnte in den Meeren die Menge an Plastik sogar die Menge der Fische übersteigen. Etwa 90 Prozent aller Seevögel haben bereits Plastik im Magen. Zudem müssten weitere „Nebenwirkungen“ wie der Einfluss auf die menschliche Gesundheit, die Nahrungskette sowie die Wirkung der Abbaustoffe des Plastiks auf weitere Ökosysteme wie Wälder und Wasserläufe einberechnet werden. Rechnet man all diese indirekten Folgen von Plastikmüll zusammen, käme man auf einen jährlichen Schaden von 40 Milliarden US-Dollar. Das übertreffe den Gewinn der Plastikindustrie, besagt eine Studie des Weltwirtschaftsforums.

Mein Plastikmüll zählt auch

Wenn uns erst das Flugzeug ans Meer bringt, wie kommt mein Plastikmüll also ans Meer? Nun jeder Müll, der auf der Straße herumkullert bzw. nicht richtig als Abfall entsorgt wird, gelangt mit hoher Wahrscheinlichkeit über Flüsse ins Meer. Konkret sind es 4,2 Tonnen Kunststoff, die pro Tag in der Donau landen, 10 Tonnen täglich sind es im Rhein. Die Reise, die so ein Plastiksackerl zurücklegen kann, veranschaulicht dieses Video sehr gut.

Außerdem: Selten etwas ausgepackt, das ohne Plastik auskommt. Warum? Weil es billig ist. Neben der Industrie, surft auch im Haushalt Mikroplastik auf einer großen Welle: Es ist Bestandteil vieler Kosmetikartikeln, aber auch Kleidungsstücke. Durch das Waschen gelangt es ins Wasser.

Was tue ich?

  • Nun zum einen reduziere ich gerade meinen Verpackungsmüll beim Einkaufen. Einmal in der Woche gehe ich auf einen Markt, dessen Standler zwar nicht mit Plastiksackerl sparen, aber dank Korb und Stoffbeutel fragt mich keiner mehr, ob ich für meine Äpfel eines brauche. Auch in normalen Läden nehme ich bei kleineren Dingen kein Sackerl mehr oder verwerte es sonst als Müllsack. Über die Zerowaste Community findet ihr hier außerdem viele Zero Waste Shopping Tipps, könnt euch über verpackungsfreie Geschäfte informieren und seid allen Märkten und Biokisterlanbietern heiß auf der Spur.
  • Außerdem laufe ich schon lang nicht mehr mit Plastiktrinkflaschen durch die Gegend. Lieber darf es etwas Nachhaltigeres sein. Auf pure and green, einem Linzer Online-Shop für alles Plastikfreie, gibt es eine große Auswahl an gar nicht faden Flaschen für den nächsten Ausflug oder den nächsten Coffee to go. Empfehlen kann ich auch diese Flaschen von my equa.
  • Ich bestelle außerdem nur ein paar Mal im Jahr etwas zu essen, wenn es ganz schnell gehen muss. Gerade Sushi wird in massig Plastik angeliefert. Der Verzicht auf Fertigprodukte reduziert meinen Verpackungsmüll des Weiteren. Auch unterwegs nehme ich mir meist Essen von zu Hause mit. Wer zukünftig auf Alufolie verzichten möchte, findet hier auch Lunch- und Aufbewahrungsboxen. Von Zuperzozial gibt es in der Raw Earth Collection auch farbenfrohes Geschirr und Boxen, bestehend aus Bambusfasern und Maispulver.
  • Nächster Tipp: Mit Freunden und Kollegen über das Problem sprechen und austauschen! Haben sie sich mit den Folgen von Plastik auch schon auseinandergesetzt? Was haben sie für Tipps parat?
  • Etliches was ich in letzter Zeit shoppe, ist außerdem Second Hand. Sei es mein neues Ladekabel fürs Handy oder die neuen Schuhe, die ich wollte. Über willhaben.at habe ich ein ungetragenes Paar in meiner Größe gefunden. Ein Fehlkauf wird zu jemands anderer großen Freude. Spart Verpackung (und Geld).
  • Zu guter Letzt übe ich mich gelegentlich auch in hands-on-mentality und hebe Müll ganz einfach auf, der in meiner Straße herumgeistert und schmeiße ihn weg. Irgendwas wird’s schon bringen. PS. Und ich trenne natürlich meinen Müll.

Habt ihr noch Tipps?