Plastic Fighter of January: Elisabeth Sonnleithner

Während die Industrie immer mehr Geld in die Plastikproduktion investiert, wodurch diese laut Schätzungen einen 40-prozentigen Anstieg im nächsten Jahrzehnt verzeichnen soll, entsteht in der Bevölkerung ein Umdenken und ein Streben nach mehr Nachhaltigkeit. „Die Idee der Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen“ bestätigt die deutsche Umweltministerin Dr. Barbara Hendricks. Auch eine Umweltstudie aus dem Jahre 2016, die von der deutschen Umweltministerin für Umwelt und Naturschutz in Auftrag gegeben wurde, bekräftigt den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Die mediale Präsenz von Umweltabkommen wie die „2030 Agenda“ und das Pariser Klimaschutzabkommen haben ihren Anteil daran.

Deshalb ist es mir ein persönliches Anliegen, weiterhin die Plastikmüll-Problematik zu thematisieren und darüber hinaus Lösungsansätze in Form von menschlichen Handeln aufzuzeigen. Der erste Artikel der Reihe Plastic Fighter stellte Manuela Picallo Gil vor. Sie schaffte im Kunstunterricht und in ihren Kunstausstellungen das Bewusstsein, um ihr Umfeld zu einer plastikfreien Lebenseinstellung zu inspirieren. In dieser Jännerausgabe präsentieren wir Plastic Fighter Elisabeth Sonnleithner, die nicht nur das Leben ihrer Familie plastikfrei gestaltet, sondern auch ihren Mitmenschen den Umstieg erleichtern will. Sobald Sensibilisierungsarbeit geleistet wurde und man sich einer plastikfreien Lebenseinstellung verschreibt, gibt es immer noch die Hürde der Umsetzbarkeit. Deshalb hat Elisabeth ihren lang ersehnten Wunsch im Jänner 2017 in die Tat umgesetzt und die erste plastikfreie Drogerie in Österreich eröffnet.

Einfache Tipps, wie beispielsweise Stoffsackerln und Glasflaschen den Plastikversionen vorzuziehen, sind bekannt. Derzeit gibt es auch immer mehr „unverpackt Läden“, die verpackungsfreie Lebensmittel anbieten. Doch was ist mit dem Mikroplastik das in Hygiene-, Putz- und Kosmetikartikeln enthalten ist? Diese Plastik-Partikel sind kleiner als 5 Millimeter und für das menschliche Auge kaum sichtbar. Mikroplastik wird industriell hergestellt und als Füllstoff und Bindemittel zu Produkten zugesetzt, die oftmals zu 10 Prozent aus diesen Plastikpellets bestehen. Bisher können die winzigen Partikel in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert werden und gelangen über das Abwasser in unsere Meere und mit dem Klärschlamm auch auf unsere Felder (also in unser Essen) und in die Luft.  Außerdem binden sie zusätzlich Schwermetalle und andere schwer abbaubare Schadstoffe, die wir über Nahrung und Trinkwasser aufnehmen. Das kann zu Störungen des Hormonsystems führen und krebserregend wirken. „Für Kinder und Säuglinge sind die Auswirkungen noch schwerwiegender als für Erwachsene“, weiß die zweifache Mutter und Gründerin von Sonnengrün Elisabeth Sonnleithner, die ich in ihrem Geschäft im dritten Bezirk besucht habe.

„In Windeln befinden sich meist Chemikalien, damit sie besonders saugfähig sind.“ – Elisabeth Sonnleithner

In den lichterfüllten und aromatisch duftenden vier Wänden der Drogerie Sonnengrün findet man ein überschaubares Sortiment, dass mit viel Liebe zusammengestellt wurde und stetig wächst. Im Gespräch mit Elisabeth erfahre ich, dass bereits während ihrer Schwangerschaft der Wunsch nach einem plastikfreien Leben geweckt wurde. Einer Studie der Universität Yale zufolge sind Säuglinge dem gesundheitsschädlichen Mikroplastik nicht nur in Babyprodukten wie Windeln und Babyshampoos ausgesetzt, sondern bereits im Mutterleib. Ungeborene Kinder nehmen Mikroplastik auf aus Kosmetika oder Hygieneprodukten, welche die Mutter verwendet. Das kann zu Beeinträchtigungen im Erwachsenenalter führen. „Die Stoffe, denen unsere Mütter während der Schwangerschaft ausgesetzt waren, beeinflussen uns lebenslang“ erklärt Studienleiter Hugh S. Taylor.

Mit diesem Wissen ausgestattet suchte sich Elisabeth mühevoll die plastikfreien Hygieneartikel und Kosmetika zusammen. Zu diesem Zeitpunkt bemerkte sie, dass Menschen aus ihrer Familie und ihrem Bekanntenkreis ihren plastikfreien Lebensstil bewunderten, es jedoch selbst, durch das limitierte Angebot, als zu aufwendig erachteten . Dadurch entstand die Idee einer plastikfreien Drogerie, in der sie den Menschen eine plastikfreie Produktpalette online, sowie in Form eines Geschäftes, zugänglich machen wollte. Diese Gedanken hatte sie einige Jahre mit sich herumgetragen. Genauso wie der persönliche Umstieg auf ein plastikfreies Leben nicht von heute auf morgen geschieht, passiert auch die Eröffnung eines Ladens, den es bis dato in Österreich noch gar nicht gab, nicht einfach so mir nichts – dir nichts. Nach einigen Jahren gründlicher Vorbereitung war es dann im Jänner 2017 soweit, und Elisabeth Sonnleithner eröffnete Österreichs erste plastikfreie Drogerie – „Sonnengrün“.

„Ich will den Menschen Alternativen aufzeigen, die vielleicht anders ausschauen, aber genauso funktionieren“. – Elisabeth Sonnleithner

Neben der Umweltfreundlichkeit legt Elisabeth auch viel Wert auf soziale Nachhaltigkeit und kurze Transportwege. Das Sortiment vergrößert sich kontinuierlich. Vor allem durch Kundenanfragen entdeckt Elisabeth immer neue Produkte. Die Produktpalette reicht von plastikfreien Shampoos und Duschgels über kompostierbare Frischhaltefolie und Babyschnuller bis hin zum plastikfreien Sackerl fürs Hundegackerl. Die Idee einer Drogerie, die nur plastikfreie Produkte anbietet, wird von jung bis alt angenommen und die eigene Produktlinie „Sonnengrün“ ist bereits in Planung. Es bleibt spannend. Am besten ihr schaut einfach mal vorbei und könnt dabei gleich Elisabeth noch ein paar Anregungen und Ideen zu den Produkten geben.

Je höher die Nachfrage, desto größer das Angebot plastikfreier Artikel. „Dabei will ich nicht zu verstärktem Konsum aufrufen, sondern eher zu einem nachhaltigeren und bewussteren Konsum anregen.“, sagt Elisabeth. Gleichzeitig sollte man im Auge behalten, dass es nicht für alles Alternativen gibt und man in erster Linie reduzieren sollte, denn nicht nur Plastikmüll belastet unsere Umwelt, sondern übermäßiger Müll generell. Auf die Frage was Elisabeth unseren Lesern rät, die umweltfreundlicher leben wollen, meinte sie: „Man soll nicht zu streng mit sich selbst sein und bewusst wahrnehmen, was man tun kann, und damit am besten gleich anfangen. Kleine Umstellungen, die im täglichen Leben leichtfallen, sollte man gleich umsetzten und dann weiterschauen.“

Neben Elisabeths Drogerie sowie ihrem online Shop gibt es noch einige andere unverpackt Läden in Wien, die den Umstieg in ein plastikfreies Leben erleichtern sollten. Hier findet ihr eine Liste von Geschäften, die von der Initiative ZeroWasteAustria zusammengestellt worden ist.

Zusätzlich werden Zero Waste Shopping Tipps auf einer eigens dafür eingerichteten Facebookgruppe „Verpackungsfrei einkaufen in Wien“ gesammelt. Dort könnt ihr eure persönlichen Erfahrungen, Probleme und Tipps reinschreiben und auch gleich auf das Mikroplastik hinweisen, dass sich nicht nur in Verpackungen verbirgt.

Nächsten Monat erwartet euch ein spannender Artikel über die menschliche Wahrnehmung von Plastik und Plastikmüll, die oft kulturell bedingt ist und den Umgang und die Entsorgung von Müll beeinflusst. Dazu werde ich eine Kulturanthropologin befragen, die derzeit über die Plastikwahrnehmung in Ruanda forscht. Ich freue mich, wenn ihr wieder dabei seid!

Autorin: Rebecca Picallo Gil

2018-01-24T11:21:33+00:00By |opt2o interviews|

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